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digitaler vagabundismus, social – media – digital – marketing – stuff

so nicht – wie nokia & co zensur foerdern und reputation vernichten * update

doppelmoral ist sicherlich eines der widerwaertigsten sozialen phaenomene. das business und moral in mancherlei hinsicht auf kriegsfuß stehen ist auch ein altes dilemma und doppelmoral plus verschwiegenheit war stets ein opportuner ausweg.

wurden krude geschaeftspraktiken aufgedeckt, so war der aufschrei meist groß, der effekt nicht bezifferbar, aber wohl oft ueberschaubar. allerdings erreichen wir mit großen schritten eine wirklichkeit, in der marken und unternehmen nicht nur facebook-fanseiten und twitteraccounts irgendwie beackern, aus kostengruenden um user generated content buhlen, sondern sich tatsaechlich in einer umwelt befinden, die von echtzeit-konversationen aller irgend beteiligter und themenfokussierung gepraegt ist.

in dieser umwelt ist soziales kapital, damit reputation, vertrauen und glaubwuerdigkeit entscheidend fuer das ueberleben von marken.

geradezu verrueckt also, was dieser mashable-artikel ueber irans zensur-infrastruktur beschreibt. naemlich wie diese mit hilfe westlicher firmen, namentlich nokia & den unverbesserlichen siemensianern, hochgezogen wurde. (dank an @ragebuch fuer den tweettip).

The equipment that enables such measures has been provided to Iran, in part, by a joint venture between Nokia and Siemens, and according to the WSJ, the spokesman for the venture, Ben Roome, has confirmed this

siemens. gut, die jungs haben den letzten schuss ganz offensichtlich noch immer nicht gehoert und sollten fuer einen der wohl haertesten skandalmarathon (open end) mit dem eisernen kreuz o.ae. ausgezeichnet werden. dass dort dringend disruptive veraenderung notwendig ist liegt fuer mich auf der hand.. diese muss wohl auf den naechsten, noch massiveren skandal warten.

nokia. nokia… da klingelts doch. ist nokia nicht marktfuehrer fuer mobile endgeraete? yeah. ist nokia nicht vielversprechender major mover im bereich mobile content, location based services und user generated content? yeah. z.b. mit nvine und nokia productions haben die finnen da zwei wirklich schlagkraeftige und erfolgreiche geschuetze im markt platziert… und scheinen insgesamt doch nicht zu verstehen, worum es tatsaechlich geht.

connecting people? par excellence koennte man meinen. allein meldungen wie die, dass nokia repressiven laendern wie iran (und bald vielleicht auch deutschland) hilft, genau diese connections zu unterbunden bzw. zu kontrollieren, lassen derartige engagements eben nur als hinterhaeltige lippenbekenntnisse erscheinen.

das beschaedigt nicht nur die marke nokia, sondern wirkt auch wie „suicidal tendencies“ mit blick auf ausrichtsreiche marktsegmente. glaubt nokia denn wirklich, dass ich meine heiligen daten einem unternehmen zu verfuegung stelle, das andernorts fuer zensur und unterdrueckung arbeitet? wohl kaum.  so zerstoert man aktiv vertrauen und beschaedigt seine reputation.

das erinnert an google. einerseits bekannt fuer kommunikationsrevolutionen und den permanenten versuch, informations- und kommunikationsimperium hoch zu ziehen. andererseits als datenkrake und , bspw. in china zu sehen, willfaehriger gehilfe staatlicher zensur und repression. entsprechend ist google’s groeßter schwaeche und bedrohung und wachstumshemmnis auch eben der vertrauensverlust basierend auf reputationsbeschaedigender unternehmenspraxis.

was nokia und siemens betrifft, so scheint mir der fehler quasi organisationsinhaerent zu sein. molochartige organisationen mit zig unternehmenssparten und milliarden von mitarbeitern, entscheidern und produkten sind offensichtlich anfaelliger fuer inkohaerente moves und aktionen.  wenn die rechte hand nicht weiß, was die linke tut, ist chaos vorprogrammiert.

wenn es wahr ist, dass reputation und soziales kapital eine der wichtigsten ressourcen fuer unternehmen (und natuerlich auch individuen) ist, dann sprehcne aktionen wie die beschriebenen nur fuer eine deutliche hoehere prioritaet der kommunikationsabteilung in der unternehmenshierarchie. eben als strategische funktion der unternehmensfuehrung, um jede bewegung, sprich jede potenzielle interaktion mit blick auf reputationseffekte zu ueberpruefen.

prost

*** UPDATE ***

nokia siemens hat sich mittlerweile (schon gestern abend)  zu wort gemeldet: man habe lediglich monitoring infrastruktur geliefert und das auch nur weil es im internationalen vergleich gang und gaebe sei und zudem – netto quasi – dem iranischen volk mehr kommunikations-moeglichkeiten an die hand gaebe. zudem sei man – gut, dass war klar – laengst (ende maerz) aus dem business ausgestiegen, indem man das geschaeft an eine investmentgesellschaft namens perusa in muenchen verkauft habe.

hierzu auch einige deutliche worte bei der bbc.

To clarify: Nokia Siemens Networks has provided Lawful Intercept capability solely for the monitoring of local voice calls in Iran. Nokia Siemens Networks has not provided any deep packet inspection, web censorship or Internet filtering capability to Iran

aha, dann ist ja alles in ordnung…

In most countries around the world, including all EU member states and the U.S., telecommunications networks are legally required to have the capability for Lawful Intercept and this is also the case in Iran …

bzw. ist da nicht noch ein qualitativer unterschied zwischen bspw. den eu-laendern und einem bekanntermaßen repressiven regime wie in iran?

was das statement als solches betrifft, muss man sagen: vorbildlich. da wird mindestens versucht offen zu kommunizieren, die meldung selbst ist kommentierbar. kommentare werden – dem vernehmen nach – nicht gefiltert.

die aktion als solche scheint wohl nicht so „schwerwiegend“ zu sein wie anfangs gedacht, was das ganze allerdings nur abschwaecht, keinesfalls aufhebt. fuer mich noch immer ein unverzeihlicher #fail.

interessant auch der entschiedene hinweis, dass man weder nokia noch siemens sei, sondern eben nokia siemens networks… entspricht meiner these, dass in der schieren organisationsgroeße schon die erste problematik steckt, die den aufbau von nachhaltiger reputation behindern kann.

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subtile bestechung

amazon kann in puncto integration von ugc sicherlich eiserne konsequenz und die vorreiterrolle zugesprochen werden. der einsatz von userbewertungen und -reviews wirkt als relevanzkatalysator und zudem ist der werbechannel empfehlungen staerker als chuck norris.

faszinierend ist auch die sneaky strategy, die amazon verfolgt, um negativen kommentaren vorzubeugen. wohl wissend, dass jeder allzu aktive versuche, meinungen zu beeinflussen oder zu kontrollieren ganz sicher im (pr) desaster enden wird, verfolgt amazon den weg des samurai.. okay, die jungs spielen eher die rolle des soufflierenden, lieben onkels.

eine story, die mir erst kuerzlich erzaehlt wurde geht so: eine kundin kauft bei .co.uk online ein buch und erhaelt nach leicht ueberdurchschnittlicher wartezeit irgendeines, aber nicht das bestellte produkt. erbost wird ein gepfefferter kommentar hinterlassen. nebenwirkung offener kommunikation. allerdings blieb es dabei nicht, nein, denn kurz darauf meldete sich der managing director (big head alarm) telefonisch, entschuldigte sich nicht nur, sondern erkundigte sich auch, ob man denn irgendetwas tun koenne, um diesen negativkommentar zu entfernen. letztendlich bekam die kundin das richtige buch zugesandt, alle kosten erstattet – und der kommentar verwandelte sich.

wenn dies ein beispiel fuer gelunge one-to-one kommunikation und grandioses crm auf individuellster ebene ist, dann geht das neueste amazon feature schon in richtung automatisierung dessen.

der werbeblogger wies darauf hin, dass amazon im rahmen seines vine programmes versucht, besonders aktive nutzer noch ein wenig mehr zu fordern und noch ein wenig mehr „mundpropaganda zu stimulieren“. demnach werden diese nutzer, die vine voices mit den von ihnen rezensierten produkten gratis versorgt.

letztendlich ein sehr kleverer und subtiler weg, negative aktivitaet zu vermeiden, denn diese negativlinge werden letztendlich dann noch mit dem schrott  bestraft, den sie da gerade verrissen haben.

als phaenomen finde ich die angelegenheit grandios, allerdings bedarf es wieder aufklaerung und wissen um die mechanismen hinter all diesen mechanismen. ansonsten enden die tribes schnell als schafherden.

yallah

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muckraker vs. moonraker

bare-knuckle und one-on-one; so stehen sich derzeit – mal wieder – zwei vermeintliche feinde, eigentlich partners in crimecomm gegenueber. und so fliegen die schellen derzeit: zack und zack

allein der fight koennte der feder guy ritchies entstammen, wirkt wie der legendaere kampf in snatch: betaeubt von kater und schnaps wird halbgeschlossenen auges geboxt. ausgangspunkt ist ein, hm, recht banaler artikel eines leipziger pr-studenten. gut gut, es ist der „student des jahres“ (hilfe!), der die waghalsige these aufstellt, es stuenden „goldene zeiten“ fuer die komm.branche an, da vertrauen „ploetzlich“ zum erfolgskritischen moment fuer unternehmen mutiert sei. sein jubeljahr scheint wohl 1968 gewesen zu sein.

im wesentlichen gruenden sich seine thesen auf den fall bear stearns, einer der groessten investmentbank zusammengekocht in der geruechtekueche, beschrieben in diesem vanity fair artikel.

„There has never been anything on Wall Street to compare to it: a “run” on a major investment bank, caused in large part not by a criminal indictment or some mammoth quarterly loss but by rumor and innuendo that, as best one can tell, had little basis in fact“

die thesen sollten eigentlich als klappern im phrasenschwein verhallen und nicht ein solches schellengewitter ausloesen. kein persoenlicher angriff, doch die feststellungen, dass a) vertrauen, und somit reputation, eine substanzielle geschaeftsgrundlage fuer unternehmen darstellt, die in verbindung mit b) steigender komplexitaet, damit gestaltbarkeit der welt (danke und danke) c) die raeume fuer interpretation oeffnet und vergroessert, sind doch ein alter hut, nicht? komplexitaet bedeutet unsicherheit, unsicherheit bezeichnet allgemein einen informationsmangel, interpretation schafft informationen, vertrauen erhoeht die wahrgenommene eintrittswahrscheinlichkeit der interpretation. kurzum: vertrauen reduziert komplexitaet (hallo).

interpretation nun ist genuin kommunikation und eben deswegen ist ist das schild, auf das die (unternehmens)kommunikation dort gehoben wird, doch arg verstaubt. von ploetzlich kann keine rede sein.
aber moment. das wort der stunde ist doch lange nicht interpretation, sondern vielmehr: vertrauen. und wenn ich eben noch auf den jubelstudenten gehackt habe, dessen argumentation verkatert wie mickey daherkommt, so wirken die tiraden der anderen doch arg schnell geschossen, getrieben – wie mickey vom schnaps. natuerlich darf man sich angegriffen fuehlen, wenn der eigene berufsstand als faden im marionettenspiel dunkler anzuege dargestellt wird. natuerlich darf, ja muss protestiert werden, wenn mit desinformation, halbwahrheiten und luegen gearbeitet, intrigiert wird, um eigene interessen durchzusetzen.
dies ist alles legitim, die aufregung geht aber geradewegs am problem vorbei. denn es gilt zwei dinge zu beachten:
zum einen, und auch das ist ein alter hut: pr, und dies sagt schon der name public relations, ist ein der oeffentlichkeit fremder koerper. sie ist teilnehmende partei (bzw. vertreter einer solchen) der gespraeche und verfolgt folglich bestimmte interessen. es ist muessig darauf hinzuweisen, dass – kodizes hin oder her – dies auch auf den journalist zutrifft. natuerlich entbindet dies nicht von gewissen ethischen normen, wenngleich dies in erster linie ein individuelles, dann organisationales und im schlimmsten falle rechtliches problem ist, mithin sind ethikseminare sicherlich ein unglaublich wichtiges instrument, aber bestimmt nicht der weisheit letzter schluss.
und zum anderen glaube ich, dass sich die ethikproblematik, wie erhofftermassen so vieles im system wirtschaft, ueber kurz oder lang von selbst und aus purem eigennutz aufloest, denn ethisches verhalten scheint mir immer eine recht wacklige angelegenheit. wie auch schon vom student des jahres bemerkt, ist vertrauen ein immens wichtiges kapital fuer unternehmen und mangelndes vertrauen der relevanten stakeholder kommt wohl recht schnell einer bankrotterklaerung gleich. die rede vom kapital ist, denke ich, durchaus woertlich zu nehmen, denn glaubwuerdigkeit und vertrauen stellen – zumindest der bourdieuschen kapitalsortentheorie folgend – einen eigenen typ von kapital dar. mit bourdieu „symbolisches kapital“. eine waehrung uebrigens, die auch in oekonomisches kapital konvertierbar ist also auch den direkten weg in die buecher finden koennte. unternehmen im speziellen, aber auch jede andere kommunizierendesignalvonsichgebende person, investieren mit jedem signal, jeder botschaft, aussage, jeder erwaehnung einen entsprechendend anteil dieses kapitals… ein investment, das sich auszahlen oder eben grandios schiefgehen und somit ressourcen verbrennen, verfeuern etc. kann.
unternehmen und pr’ler jeder facon werden zunehmend erkennen muessen, dass eine welt riesiger interpretations- und wahrnehmungssteuerungsspielraeume zwar sehr verlockend sein kann, doch wenn an jeder ecke pruegelknaben warten, die diese raeume oft viel besser kennen, dann gibt es schnell aerger und hiebe. und zwar alles andere als one-on-one.

in diesem sinne, stay true to the game.

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