muckraker vs. moonraker

bare-knuckle und one-on-one; so stehen sich derzeit – mal wieder – zwei vermeintliche feinde, eigentlich partners in crimecomm gegenueber. und so fliegen die schellen derzeit: zack und zack

allein der fight koennte der feder guy ritchies entstammen, wirkt wie der legendaere kampf in snatch: betaeubt von kater und schnaps wird halbgeschlossenen auges geboxt. ausgangspunkt ist ein, hm, recht banaler artikel eines leipziger pr-studenten. gut gut, es ist der „student des jahres“ (hilfe!), der die waghalsige these aufstellt, es stuenden „goldene zeiten“ fuer die komm.branche an, da vertrauen „ploetzlich“ zum erfolgskritischen moment fuer unternehmen mutiert sei. sein jubeljahr scheint wohl 1968 gewesen zu sein.

im wesentlichen gruenden sich seine thesen auf den fall bear stearns, einer der groessten investmentbank zusammengekocht in der geruechtekueche, beschrieben in diesem vanity fair artikel.

„There has never been anything on Wall Street to compare to it: a “run” on a major investment bank, caused in large part not by a criminal indictment or some mammoth quarterly loss but by rumor and innuendo that, as best one can tell, had little basis in fact“

die thesen sollten eigentlich als klappern im phrasenschwein verhallen und nicht ein solches schellengewitter ausloesen. kein persoenlicher angriff, doch die feststellungen, dass a) vertrauen, und somit reputation, eine substanzielle geschaeftsgrundlage fuer unternehmen darstellt, die in verbindung mit b) steigender komplexitaet, damit gestaltbarkeit der welt (danke und danke) c) die raeume fuer interpretation oeffnet und vergroessert, sind doch ein alter hut, nicht? komplexitaet bedeutet unsicherheit, unsicherheit bezeichnet allgemein einen informationsmangel, interpretation schafft informationen, vertrauen erhoeht die wahrgenommene eintrittswahrscheinlichkeit der interpretation. kurzum: vertrauen reduziert komplexitaet (hallo).

interpretation nun ist genuin kommunikation und eben deswegen ist ist das schild, auf das die (unternehmens)kommunikation dort gehoben wird, doch arg verstaubt. von ploetzlich kann keine rede sein.
aber moment. das wort der stunde ist doch lange nicht interpretation, sondern vielmehr: vertrauen. und wenn ich eben noch auf den jubelstudenten gehackt habe, dessen argumentation verkatert wie mickey daherkommt, so wirken die tiraden der anderen doch arg schnell geschossen, getrieben – wie mickey vom schnaps. natuerlich darf man sich angegriffen fuehlen, wenn der eigene berufsstand als faden im marionettenspiel dunkler anzuege dargestellt wird. natuerlich darf, ja muss protestiert werden, wenn mit desinformation, halbwahrheiten und luegen gearbeitet, intrigiert wird, um eigene interessen durchzusetzen.
dies ist alles legitim, die aufregung geht aber geradewegs am problem vorbei. denn es gilt zwei dinge zu beachten:
zum einen, und auch das ist ein alter hut: pr, und dies sagt schon der name public relations, ist ein der oeffentlichkeit fremder koerper. sie ist teilnehmende partei (bzw. vertreter einer solchen) der gespraeche und verfolgt folglich bestimmte interessen. es ist muessig darauf hinzuweisen, dass – kodizes hin oder her – dies auch auf den journalist zutrifft. natuerlich entbindet dies nicht von gewissen ethischen normen, wenngleich dies in erster linie ein individuelles, dann organisationales und im schlimmsten falle rechtliches problem ist, mithin sind ethikseminare sicherlich ein unglaublich wichtiges instrument, aber bestimmt nicht der weisheit letzter schluss.
und zum anderen glaube ich, dass sich die ethikproblematik, wie erhofftermassen so vieles im system wirtschaft, ueber kurz oder lang von selbst und aus purem eigennutz aufloest, denn ethisches verhalten scheint mir immer eine recht wacklige angelegenheit. wie auch schon vom student des jahres bemerkt, ist vertrauen ein immens wichtiges kapital fuer unternehmen und mangelndes vertrauen der relevanten stakeholder kommt wohl recht schnell einer bankrotterklaerung gleich. die rede vom kapital ist, denke ich, durchaus woertlich zu nehmen, denn glaubwuerdigkeit und vertrauen stellen – zumindest der bourdieuschen kapitalsortentheorie folgend – einen eigenen typ von kapital dar. mit bourdieu „symbolisches kapital“. eine waehrung uebrigens, die auch in oekonomisches kapital konvertierbar ist also auch den direkten weg in die buecher finden koennte. unternehmen im speziellen, aber auch jede andere kommunizierendesignalvonsichgebende person, investieren mit jedem signal, jeder botschaft, aussage, jeder erwaehnung einen entsprechendend anteil dieses kapitals… ein investment, das sich auszahlen oder eben grandios schiefgehen und somit ressourcen verbrennen, verfeuern etc. kann.
unternehmen und pr’ler jeder facon werden zunehmend erkennen muessen, dass eine welt riesiger interpretations- und wahrnehmungssteuerungsspielraeume zwar sehr verlockend sein kann, doch wenn an jeder ecke pruegelknaben warten, die diese raeume oft viel besser kennen, dann gibt es schnell aerger und hiebe. und zwar alles andere als one-on-one.

in diesem sinne, stay true to the game.

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