Archiv für den Monat März 2009

saab. who cares?

die arg gebeutelte automarke saab haette ich nun aus dem stehgreif nicht gerade als aspirational brand bezeichnet und waere ich ein hund, so wuerde mich der untergang saabs ganz sicher nicht hinterm ofen hervorlocken.

und haette mir jemand erzaehlt, dass der mob diesen klapperkarren aus dem dreck ziehen soll… meine augenbrauen haetten aber ganz locker den muente gemacht. eine seltsame ironie ists ja sowieso: das scheitern dieser kapitlasmusikonen wird derart selbstverstaendlich sozialisiert als handle es sich um die flut oder was auch immer. aber das ist ein anderes thema.

nun zumindest stuende der, der die crowd fuer saab bewegen wollte einigermaßen allein da. dachte ich. stimmt aber gar nicht, denn so allein ist der saab-liebhaber nicht wie die zeit und bspw. (mein namenscompatre florian semle berichtet. freilich, das konzept wirkt lehrbuchartig: erstmal was virales.. dann schaumer mal und der mobilisierte mob zeigt moeglichen investoren dann ganz sicher, wie wichtig saabs ueberleben ist. tja, und braehcte das unerwarteterweise nicht entsprechend liebenswerte heuschrecken vor die werkstore, dann machts eben der mob ganz alleine. mittels mikrofinanzierung quasi. mittlerweile sind laut einer unverbindlichen umfrage 3200 „rescuer“ bereit insgesamt 4 mio. euro zur verfuegung zu stellen.. natuerlich ein vernachlaessigbarer teil des unternehmenswerts (ich glaube, etwa 0,4%), aber immerhin.

nachdem  der staat sich bereits mit einer pleite abgefunden hat ist rescue-saab.com nun also die letzte instanz. fuer mich ein interessantes phaenomen, das im falle des saab aber (zum leidwesen der beschaeftigten, okay) nicht viel mehr ist als eben ein phaenomen. knapp 15.000 registrierte nutzer in 3 wochen sind vielleicht doch etwas wenig fuer eine marke, die gerne aspirational waere. allzumal es um die existenz geht.

potemkinsches marketing bringt eben nur fringe-destruction

brotlos kunst, JUNGE! so haette das, was sich da seit freitag auf pro7 abspielt, mein alter trainer kopfschuettelnd abgetan. zugegeben, mich hats fasziniert, genause meine mademoiselle (wir waren sozusagen voll engaged) und umso enttaeuschter war ich, wie schwach dieser durchaus freshe ansatz letztlich umgesetzt wurde.

doch was ist passiert? gestern abend saß ich also vor der glotze und schaute unknown (nebenbe:i eine lustige analogie, denn der film ist gleichermaßen ambitioniert, bricht dann aber hinter der schoenen fassade grandios zusammen 4,5/10). waehrend der werbepause schaltet pro7 seine newsformat „newstime“ und fasznierte mit einer merkwuerdigen meldung: in den usa sei da ein kind geboren, welches unter einem mysterioesem gendefekt litte, das es derart schnell wachsen ließ, dass es schon waehrend der geburt mannesgroeße erreichte. gezeigt wurde ein „amateurvideo“, das arg nach professionalisiertem pseudo-dilettantismus roch. bereits in das ende der nachricht wurde ein promo-teaser fuer die neue mystery-serie „fringe“ eingeblendet. doch seht selbst

die unglaublich nachricht ließ mich genauso aufmerksam werden wie die etwas merkwuerdige sprache und auch der ungewoehnliche uebergang. als echter digitalista war das notebook natuerlich nicht weit und google noch naeher und so wurde ich schnell stutzig: die nachricht fand weltweit keinen einzug in die news, selbst twitscoop brachte nichts zutage.

damit war schnell klar, dass dies eine zwar zweifelhafte, aber zumindest mutig marketingidee war. doch dermaßen schwach umgesetzt tut sich pro7 keinen gefallen.  okay, der anfang hatte schon etwas wellseskes, denn ich war ernsthaft interessiert und unglaeubig und informierte mich aktiv fuer mehrere minuten. doch wer aus derartigem „engagement“ nichts macht, der tut sich keinen gefallen. das ding steht tatsaechlich im luftleeren raum. kein seo, das leute wie mich z.b. auf eine spannende teaser-site (bspw. sowas fuer walts warning) braechte. oder zumindest auf einen blog, ein youtube video, ne facebook oder studivz-gruppe… irgendwas. das ding ist schlichtweg in nichts integriert und bringt so auch nichts als verwunderungunverstaendnis, schimpf und schande.

die vermutung ist klar und die youtube-kommentare belegen sie:mit der aktion schaedigt pro7 einzig und allein seine news-marke „newstime“.

wenn man naemlich die voegel nur aufscheucht und dann irre herumflattern laesst, der bringt nichts als brotlose kunst daher.

*** UPDATE

mittlerweile ist auch eine pro7-stellungnahme (via DWDL) oeffentlich, in der – angesichts der durchaus ernstzunehmenden empoerung – geradezu fahrlaessig lapidar darauf hingewiesen wird, dass „fringe“ eben so auf diese art beworben wird. zack. adieu allerletztes quentchen glaubwuerdigkeit.

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