Archiv für den Monat Juni 2009

so nicht – wie nokia & co zensur foerdern und reputation vernichten * update

doppelmoral ist sicherlich eines der widerwaertigsten sozialen phaenomene. das business und moral in mancherlei hinsicht auf kriegsfuß stehen ist auch ein altes dilemma und doppelmoral plus verschwiegenheit war stets ein opportuner ausweg.

wurden krude geschaeftspraktiken aufgedeckt, so war der aufschrei meist groß, der effekt nicht bezifferbar, aber wohl oft ueberschaubar. allerdings erreichen wir mit großen schritten eine wirklichkeit, in der marken und unternehmen nicht nur facebook-fanseiten und twitteraccounts irgendwie beackern, aus kostengruenden um user generated content buhlen, sondern sich tatsaechlich in einer umwelt befinden, die von echtzeit-konversationen aller irgend beteiligter und themenfokussierung gepraegt ist.

in dieser umwelt ist soziales kapital, damit reputation, vertrauen und glaubwuerdigkeit entscheidend fuer das ueberleben von marken.

geradezu verrueckt also, was dieser mashable-artikel ueber irans zensur-infrastruktur beschreibt. naemlich wie diese mit hilfe westlicher firmen, namentlich nokia & den unverbesserlichen siemensianern, hochgezogen wurde. (dank an @ragebuch fuer den tweettip).

The equipment that enables such measures has been provided to Iran, in part, by a joint venture between Nokia and Siemens, and according to the WSJ, the spokesman for the venture, Ben Roome, has confirmed this

siemens. gut, die jungs haben den letzten schuss ganz offensichtlich noch immer nicht gehoert und sollten fuer einen der wohl haertesten skandalmarathon (open end) mit dem eisernen kreuz o.ae. ausgezeichnet werden. dass dort dringend disruptive veraenderung notwendig ist liegt fuer mich auf der hand.. diese muss wohl auf den naechsten, noch massiveren skandal warten.

nokia. nokia… da klingelts doch. ist nokia nicht marktfuehrer fuer mobile endgeraete? yeah. ist nokia nicht vielversprechender major mover im bereich mobile content, location based services und user generated content? yeah. z.b. mit nvine und nokia productions haben die finnen da zwei wirklich schlagkraeftige und erfolgreiche geschuetze im markt platziert… und scheinen insgesamt doch nicht zu verstehen, worum es tatsaechlich geht.

connecting people? par excellence koennte man meinen. allein meldungen wie die, dass nokia repressiven laendern wie iran (und bald vielleicht auch deutschland) hilft, genau diese connections zu unterbunden bzw. zu kontrollieren, lassen derartige engagements eben nur als hinterhaeltige lippenbekenntnisse erscheinen.

das beschaedigt nicht nur die marke nokia, sondern wirkt auch wie „suicidal tendencies“ mit blick auf ausrichtsreiche marktsegmente. glaubt nokia denn wirklich, dass ich meine heiligen daten einem unternehmen zu verfuegung stelle, das andernorts fuer zensur und unterdrueckung arbeitet? wohl kaum.  so zerstoert man aktiv vertrauen und beschaedigt seine reputation.

das erinnert an google. einerseits bekannt fuer kommunikationsrevolutionen und den permanenten versuch, informations- und kommunikationsimperium hoch zu ziehen. andererseits als datenkrake und , bspw. in china zu sehen, willfaehriger gehilfe staatlicher zensur und repression. entsprechend ist google’s groeßter schwaeche und bedrohung und wachstumshemmnis auch eben der vertrauensverlust basierend auf reputationsbeschaedigender unternehmenspraxis.

was nokia und siemens betrifft, so scheint mir der fehler quasi organisationsinhaerent zu sein. molochartige organisationen mit zig unternehmenssparten und milliarden von mitarbeitern, entscheidern und produkten sind offensichtlich anfaelliger fuer inkohaerente moves und aktionen.  wenn die rechte hand nicht weiß, was die linke tut, ist chaos vorprogrammiert.

wenn es wahr ist, dass reputation und soziales kapital eine der wichtigsten ressourcen fuer unternehmen (und natuerlich auch individuen) ist, dann sprehcne aktionen wie die beschriebenen nur fuer eine deutliche hoehere prioritaet der kommunikationsabteilung in der unternehmenshierarchie. eben als strategische funktion der unternehmensfuehrung, um jede bewegung, sprich jede potenzielle interaktion mit blick auf reputationseffekte zu ueberpruefen.

prost

*** UPDATE ***

nokia siemens hat sich mittlerweile (schon gestern abend)  zu wort gemeldet: man habe lediglich monitoring infrastruktur geliefert und das auch nur weil es im internationalen vergleich gang und gaebe sei und zudem – netto quasi – dem iranischen volk mehr kommunikations-moeglichkeiten an die hand gaebe. zudem sei man – gut, dass war klar – laengst (ende maerz) aus dem business ausgestiegen, indem man das geschaeft an eine investmentgesellschaft namens perusa in muenchen verkauft habe.

hierzu auch einige deutliche worte bei der bbc.

To clarify: Nokia Siemens Networks has provided Lawful Intercept capability solely for the monitoring of local voice calls in Iran. Nokia Siemens Networks has not provided any deep packet inspection, web censorship or Internet filtering capability to Iran

aha, dann ist ja alles in ordnung…

In most countries around the world, including all EU member states and the U.S., telecommunications networks are legally required to have the capability for Lawful Intercept and this is also the case in Iran …

bzw. ist da nicht noch ein qualitativer unterschied zwischen bspw. den eu-laendern und einem bekanntermaßen repressiven regime wie in iran?

was das statement als solches betrifft, muss man sagen: vorbildlich. da wird mindestens versucht offen zu kommunizieren, die meldung selbst ist kommentierbar. kommentare werden – dem vernehmen nach – nicht gefiltert.

die aktion als solche scheint wohl nicht so „schwerwiegend“ zu sein wie anfangs gedacht, was das ganze allerdings nur abschwaecht, keinesfalls aufhebt. fuer mich noch immer ein unverzeihlicher #fail.

interessant auch der entschiedene hinweis, dass man weder nokia noch siemens sei, sondern eben nokia siemens networks… entspricht meiner these, dass in der schieren organisationsgroeße schon die erste problematik steckt, die den aufbau von nachhaltiger reputation behindern kann.

mob in muc – kleines update

freiheitskampf, feiern, fußball – ein erfolgreiches wochenende, das nun leider zuende ist. morgen wieder maloche 😉

ueber das wichtigste ereignis, die sehr gelunge loeschen-statt-sperren demo in muenchen, habe ich bereits geschrieben. hier noch eben einige updates, es ist im nachgang noch das eine oder andere passiert in der sphaere der schwer paedokrimnellen.

1. meine konservative schaetzung war offensichtlich bayernparteireif: die piraten sprechen in ihrer pm zur veranstaltung von 900 demonstranten. das ist vorzeigbar!

spuren der bewegung im digitalen zusammengefasst.

neben den am freitag geposteten links ist natuerlich einiges mehr passiert. ein knappes update.

eine gute uebersicht so ziemlich alles, was sich zu diesem thema im netz bewegt bieten die beiden vom „wir sind das volk“ blog. geordnet nach staedten inkl. einiger, guter artikelempfehlungen. achja, unbedingt auch und immer wieder zu empfehlen ist christoph thurners denkwuerdiger dank an ursel.

weitere empfehlenswerte berichte:

bilder:

und als kleines schmankerl noch das interview mit joerg tausszu seinem eintritt bei den piraten (via und danke xxl-killababe):

mob in muc – loeschen statt sperren demo

die „loeschen statt sperren“ demo in muenchen war eine ueberraschung. ueberraschend groß, ueberraschend heterogen, ueberraschend zaeh,  aber auch ueberraschend zahnlos.

zugegeben, das bild der, sag wir mal konservativ, 300 leute, die sich heut am sendlinger tor in muenchen trafen war gepraegt von schlechten frisuren, bleichem teint und einem gewissen expertengebaeren. dennoch: es waren wesentlich weniger nerds und internetgeeks da als man haette annehmen koennen. neben den informatikern und echten c64-hardknocks war ein gutteil gothics bzw. metalheads vor ort und sonst – eine schwer definierbare masse, viele mit faible fuer alternative lebenskultur. so geschwollen koennte man es sagen.

das wetter war raeudigst, der regen donnert in einem gewaltstakkato vom himmel wie es sonst nur die ahnungslosen im bundestag mit worthuelsen und inkomptenzia schaffen. trotzdem hielt man aus, und ein großteil, geschaetzte 300 mann marschierten protestierend und skandierend vom sendlinger tor zur staatskanzlei.

die stimmung war – nass. nass und bestimmt, aber alles andere als aggressiv oder gar schwarzerblockesk. das kann gut sein, zeigt mir aber auch eine gewisse zahnlosigkeit dieser bewegung. ich denke, dass da zumindest potenziell noch etwas mehr schlagkraft her muss, um wirklich aufmerksamkeit zu generieren. die hoehe war, dass wir die letzten meter bis zur staatskanzlei von der straße auf den gehweg umgeleitet wurden, um dann bei der  abschlusskundgebung sogar eine schneise fuer einfahrende autos freizulassen.

der nachgang: was sich im netz, vor allem auf twitter, abspielt laesst sich ueber den hashtag #zensursulamuc bzw. altbekannt #zensursula verfolgen.

bilder gibt es z.b. hier oder auch hier. ich hoffe, es kommen noch mehr.

alles in allem dennoch eine erfolgreiche geschichte. nun muss es weitergehen. z.b. mit tauss, der heute in berlin seinen eintritt in die piratenpartei erklaerte.  das thema piratenpartei ist sehr interessant. bin gespannt, was sich da noch entwickelt und werde die tage nochmal meine eigenen gedanken zu strategie und kommunikation (was sonst?) dieser und fuer diese partei machen.

ich bin erstmal raus, ruendchen fifa zocken.

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zensursula als gruendungsmythos – veraenderung findet nicht im sessel statt

der dammbruch ist vollzogen. in einer absurden bundestagsdebatte beschlossen unsere sog. volksverteter, eine zensurinfrastruktur zu schaffen, um kinderpornografie zu bekaempfen. 389 gegen 128 bei18 enthaltungen und ein gnadenloser bitchslap fuer gut 130.000 petitenten. das ist das vorlaeufige ergebnis, das auch die last-minute-rebellen aus der spd (von tauss ueber tsg ueber diese und jene, achja, die versager vom spd-online-beirat natuerlich auch).

nun gibt es ein gesetz mehr. eines, das das grundgesetz mit fueßen tritt. eines, das sinnlos ist. eines, das vielleicht den aufstand provoziert.

so traurig die geschichte ist, soviel gutes laesst sie doch erhoffen. erstmal hat das gesetz nur begrenzte haltbarkeit. nach 3 jahren wird es einer pruefung unterzogen, die dessen sinnhaftigkeit klaeren soll. freilich, das als trostpflaster ist wenig mehr als nichts.. ist solch eine tuer einmal aufgestoßen, verzieht und verformt sie sich leicht und wird allzu wahrscheinlich nie wieder in den einstigen rahmen passen, niemals wieder ganz zu schließen sein. trotzdem!

denn da wurde einiges mehr losgetreten

da ist die erstarkung der piratenpartei, denen die debatte kraeftigen wind in die segel blies und der sich sicherlich noch verstaerken wird. schon wird nicht nur ueber eine zulassung zur bundestagswahl nachgedacht, sondern bereits kraeftig antraege verteilt. es ist multikulti-parade in der deutschen politik und nach dem versuch, chinesische oder iranische verhaeltnisse zu schaffen, werden wir vielleicht bald schwedische sehen.

politisierung der internetszene

der aufstieg der piratenpartei geht natuerlich einher mit einer deutlichen politisierung der sog. netzbevoelkerung. befeuert von vor inkompetenz und ignoranz strotzenden angriffen aus politik und anderen teilen der gesellschaft laesst sich deutlich beobachten, wie erst politisches bewusstsein verstaerkt wurde und dies in politische aktionen muendet. es faellt mir schwer, angesichts der schieren masse an beitraegen einzelne zu verlinken. ich habs hier dennoch getan, um weiterzufuehren ohne anspruch auf die geringste vollstaendigkeit.

was fuer die anti-atom- und friedensbewegung der 70er brokdorf oder die starbahn-west war, das – so macht es derzeit den anschein, laesst zumindest so hoffen – ist fuer uns zensursula und die bildungsdebatte. brokdorf und konsorten ließ die gruenen zur politischen kraft werden. zensursula koennte zur starthilfe fuer eine ernst zu nehmende politische kraft der buerger- und freiheitsrechte werden.

rene von nerdcore erklaert seine (respektive die des internets) unabhaengigkeit von der dt. politik und macht  klar, dass wir nurnoch „scheiße auf die politik regnen lassen“ werden. er nagelt die drohungen, die vielerorts erklingen an zahlen fest: wir, das sind geschaetzte 500.00 menschen. wir, das sind multiplikatoren, die mehr oder weniger einfluss auf die 43,5 mio. (ard/zdf onlinestudie) deutschen im internet nehmen. wir, das sind die, die euch in eurer ignoranz ersticken lassen werden.

das ganze im angesicht allgemeiner politikverdrossenheit und entfremdung zwischen volk und volksvertretung bedeutet gewaltiges mobilisierungspotenzial! es geht hier ja nicht nur um das vermeiden unsinniger und gefaehrlicher gesetze (obwohl das schon reichen wuerde) –  was ich sehe ist ein aufstand gegen ein kultur der ignoranz in der politischen klasse. ein kultur in der der buerger allein vehikel ist, um selbstreferenzielle, wirklichkeitsfremde systeme aufrecht zu erhalten. alle 4 jahre wird um die wette kommuniziert, um 4 jahre ruhe und routine zu bekommen, um im angesicht draengender probleme substanz- und wirkungslose potemkinsche loesungen zu produzieren. der bundestag scheint allzu oft als schimaerenindustrie – zu diesen schimaeren gehoert ein solches zensurgesetz genauso wie die gesundheitsreform oder affiges lavieren um pendlerpauschale u.ae.

ich hoffe, dass zensursula auch gruendungsmythos fuer einen aufstand gegen diese etablierte kultur wird.

was iran lehrt

es ist ein interessanter zufall, das wir derzeit die wohl groeßte und gleichzeitig vielleicht zahnloseste revolution aller zeiten erleben. die wahlen im iran, ob getuerkt oder nicht, erleben (aehnlich wie georgien oder tibet zuvor) eine unfassbare internationale oeffentlichkeit. katerlysiert durch neue medien und das david-vs-goliat-gefuehl findet die revolution mindestens im internet statt. was tatsaechlich passieren wird.. let’s see. dennoch: minutioes dokumentieren die granden des journalismus das geschehen – quelle sind meist new media kanaele: nyt, guardian oder huffington. sie alle beweisen, dass irans online-kommunikation und -protest vorbildlich funktioniert – ueber foren, twitter, facebook, blogs und cyberwar-maßnahmen.

man nehme noch das beispiel madagaskar dazu und ist ganz schnell bei clay shirk, der den schluss zieht, dass eben diese medien das zeug haben, geschichte zu machen. das haben sie zweifelsohne, doch sollten wir eines nicht vergessen waehrend wir uns in unseren warmen buerosesselchen kaffeetrinkend echauffieren: veraenderung in der wirklichkeit finden letztendlich in der wirklichkeit statt und veraenderung geht nicht nur ueber blogbeitraege, flickrfotos oder petitionen. veraenderung muss auf der straße stattfinden.

oder wie es evgeny morozov in foreign policy fuer das bsp. iran lapidar formuliert:

Iran will simply pull the plug on the entire Internet in the country – this would be a logical thing to do – leaving all of us without all those Flickr pictures and YouTube videos. Now, this would be really sad – but, perhaps, also a good lessons for those who are all too eager to become „cyber-revolutionaries“ in the comfort of their homes.

veraenderung findet auf der straße statt

die chance ist da. die mittel koennten besser nicht sein.  aktivierung und organisation sind leichter denn je. jetzt gilt es, virtuelle revolution in reale veraenderung zu uebersetzen.

es liegt an uns, diesen sieg der ignoranz, der antidemokratie in einen pyrrhussieg zu verwandeln. eine schlacht von der man irgendwann sagen wird, das sie uns aufstehen ließ, wegen der wir lethargie, verdrossenheit und kleinteiligkeit abschuettelten und faeuste und stimmen erhoben. erhoben fuer nicht weniger als freiheit und gerechtigkeit.

prost.

skittles fail? NOT

social media marketing ist und bleibt vorerst in allererster linie mal experiment. obgleich es schon die eine oder andere erfolgsgeschichte gibt, wenn bspw. starbucks oder dell nach meiner idee fragt, zappos oder southwest mit traumhaftem kundenservice flashen oder ford die us-einfuehrung des neuen fiesta allein durch eine ugc-kampagne flankiert, dann ist das allgemein bemerkenswert und wird gefeiert. zurecht, wie ich meine.

social media marketing ist immer ein experiment

in der natur der sache liegt allerdings auch, dass dinge schief gehen koennen. wir haben da einige fails gesehen und es geistern ja auch genuegend uebersichtsartikel durchs web. gerade eben bin ich ueber klausecks artikelaggregat ueber social media fails gestolpert (worden) und musste mich ein wenig darueber wundern, dass skittles dort auch als großer fail gelistet ist. erst gestern habe ich mich ueber den buzz smm lange mit @ini-martini unterhalten und da skittles als zwar gewagtes, aber auch gelungenes experiment erwaehnt. vielleicht ist meine verwunderung also lediglich bewaeltigungsstrategie meines gehirns, das krampfhaft versucht kognitive dissonanzen zu vermeiden. not.

die skittles story

kurze auffrischung, was hat skittles getan? der sueßigkeitenhersteller hat eine kleine revolution an den start gebracht, naemlich die komplette corporate website mit externen inhalten gefuettert. dem benutzer zeigen sich seit anfang maerz also keine schnoeden corporate abouts, infos usw., sondern wikipedia artikel, facebook-profil, flickr-fotos und youtube-videos, um mehr ueber unternehmen und produkte zu erfahren. den groeßten und am meisten diskutierten coup landeten die jungs allerdings mit dem navi-punkt „chatter“. der – und dieser war auch startseite zu beginn der kampagne – aggregiert naemlich via twitter-search alle tweets, die „skittles“ enthalten. seien sie nun positiv oder negativ. sehr hasardeurhaft – so muss es sein.

fail? eine krise? nun, klaus eck bezieht sich da in erster linie auf george nimeh, seines zeichens head of iris digital (u know what i mean), der weiland skittles in einem wuetenden post deswegen ziemlich grundsaetzlich attackierte. sowohl die strategie sei „rubbish“ wie auch die idee geklaut. letzteres entbehrt sicherlich nicht ganz der grundlage. george bezieht sich da auf modernista, der bostoner agentur, die dieselbe idee/technologie schon 2008 fuer deren website einfuehrte. klick, um zu sehen, zu staunen. gut, ich verstehe, dass da ein gewisser konflikt vorliegt. meinetwegen. andererseits ist es nicht nur die film- und musikindustrie, die vom „propriety“-gedanken wegkommen muss.  es geht bei dieser idee eben vielmehr um philosophie und technologie als um ein „kreatives konzept“ im eigentlichen sinne dreht. eben: kontrolle aus der hand geben, das netz in die organisation reinholen – und zwar ungefiltert.

muell? plagiat? von wegen, wagemut und zeitgeist.

was die strategie betrifft, stehe ich georges kommentar skeptischer gegenueber, eben aus eben genanntem grund: smm ohne kontrollverlust ist schwer vorstellbar.

The fact that they’re using Twitter means that anyone can say anything, and the comments and links show up on the screen alongside their brand. Unlike, say, Wikipedia, YouTube and Flickr which lets you moderate and control a bit better. That’s an invitation for people to act like kids (which we all like to do when give the chance, right?) and write whatever comes to mind. Worse still, you can post links to other content which is completely out of their control

freilich, twitter stellt bisher den wildesten aller datenfluesse dar. ob es also eine gute oder hanebuechene, autoaggressiven tendenzen geschuldete idee war, all diesen spinnern und kindern eine plattform zu liefern, ihren unsinn, ihre boshaftigkeiten ueber skittles zu verbreiten, das muss erst die zeit zeigen. es ist in jedem fall ein willkommener versuch, ein wagemutiges experiment und ein zeichen, dass skittles und deren agentur agency.com die zeichen der zeit erkannt haben. mindestens ist all dies doch um einiges amuesanter, bemerkenswerter und cooler als flashgames auf microsites.. oder wie es brian morrissey von adweek ausdrueckt:

The old playbook for Skittles would be to make a Flash microsite that matches up to its “Taste the Rainbow” tagline created by TBWA. Agency.com could have and truth be told, usually does that. Instead, it borrowed the Modernista idea to let others define what you’re about.

truth be told.

kein sandkastenabenteuer, sondern ein kluger und gewinnbringender zug

so wild die fahrt ist, so sinnvoll kann sie auch sein. zuerstmal muss festgestellt werden, dass es fuer das gerede ganz egal ist, ob skittles twitterdiskussion auf deren website stehen oder nicht (abgesehen vom selbstreferentiellen effekt): diese finden statt. und diese haben einfluss auf andere, sind meinungsbildend, sind dynamisch, sie bergen eine ganze menge an insights und vor allem sie sind nicht in stein gemeißelt.

aber bittschoen, dann monitoren wir die geschichte doch intern und reagieren, koennte man entgegnen. das kann ein weg sein und mag fuer viele, weniger lifestyleorientierte marken, auch erstmal der bessere sein. gleichwohl: der skittles-weg spiegelt massives commitment wider und ist schon deswegen richtig:

1. es hebt den wert kundenorientierung auf ein ganz anderes level, wirkt intern als vorbild in dieser hinsicht und auch in puncto social media nutzung. ein mitarbeiter der firma, dessen unternehmenswebsite derart ist wird sich sicherlich schnellstens mit dem thema auseinander setzen, sofern das noch nicht der fall ist.

2.allein das aktive zuhoeren erhoeht den markenwert. laut scoutlabs lassen sich 80% der brand terrorists durch „aktives“ zuhoeren, also zuhoeren und sie davon in kenntnis setzen, dass man da ist und lauscht, in brand evangelists verwandeln (zugegeben eine sehr optimistische zahl, aber research…).

3. der einfluss der (zugegeben auch negativ) durch solch eine aktion generiert wird kann immens sein. viel wichtiger aber: es scheint mir wesentlich wahrscheinlicher, dass ein derart revolutionaerer akt auch in die wirkliche welt jenseits der digitalen nomaden etc. diffundiert. und das wuerde einen immensen gewinn in puncto impact bedeuten, denn real life wom schlaegt online wom um laengen wie mintel nachweist.

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die alten medien im aeltesten gewerbe

prostitution ist auch ein weg. so oder so aehnlich scheint das kalkuel einiger marketiere, denen „you blew it“ und aehnliche tiraden offenbar derart in den ohren hallt, dass der ganze koerper zittert wie espenlaub. das waere ja grundsaetzlich wuenschenswert. wuenschenswert, dass der deutsche medienmarkt endlich mal ansatzweise aufschließt zu vorbildern in puncto technologie und konsequenz wie bbc, nyt oder cnn.

doch das ist erstmal ein anderes thema, zurueck zur prositution. via 6vor9 (schoen, dass es dich noch gibt) bin ich eben auf den pottblog-artikel ueber eine weitere unfassbarkeit in der deutschen mediensphaere gestoßen. die spd schaltet nun also camouflage-wahlwerbung auf bild.de, im redaktionslayout mit kleinsthinweis auf den anzeigencharakter. das verwundert, erstaunt, bestuerzt in dreierlei hinsicht (obwohl, NOT):

  1. dass den doch vermeintlich so beratungsresistenten medienmachern bzw. den entsprechenden marketieren der arsch derart auf grundeis, dass der reale koerperverkauf nicht mehr weit entfernt scheint. von der welt a.s., die weiland schon ganze titelseiten vertickten ueber pro7 news, die vom redaktionsinhalt nicht zu unterscheidende werbung in eigener sache fuer eine mysteryserie schalteten, bis zur bild-aktion jetzt.
  2. das werbeformat, das bild.de da anbietet ist sowieso ueberraschend, dass dies aber auch fuer die spd zur verfuegung steht… macht stutzig (man beachte den ordner „partner“ in der url) – ein exklusivformat fuer das teahahahahaham deutschland waere da schon eher nachvollziehbar 😉
  3. die inkompetenz der spd, die sich ja ach so sehr auf new und social media fuer ihren wahlkampf fokussieren moechte. dass solche geschichten glaubwuerdigkeit beschaedigen und negative mundpropaganda erzeugen (koennen), dass sollte sich ein jeder ausmalen koennen, dersich mit diesem thema ernsthaft auseinandersetzt und weiß, wie kritisch das sog. social web ist

ich freue mich schon jetzt auf den naechsten besucher im rotlichviertel, der sich als leichtes maedchen outet.

prost

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musikvideo a la halbwelt

wieder eine nette augmented reality geschichte, diesmal aus den gefilden derer, die manche populisierend – sicher nicht ganz daneben –  nurnoch content-mafia nennen.

columbia records bringt hier fuer julian parettas bescheuertennicht so geilen track „ride my star“ ein augmented reality musik video an den start. per webcam, flash und ausdruckbarem tracker laesst paretta mit devilfish da putzige, singende und tanzenden comicwelt fuer fans erwachsen. das ganze ist teil einer in parettas aktuelle tour. die tracker werden auf flyern waehrend der aktuellen tour an die fans verteilt bzw. kann natuerlich auch ueber die website besorgt werden.

wenn den tracker bald mal etwas schoenere, ansprechendere welten entwachsen, vielleicht dann ja auch ein geschaefstmodell, das auf erlebnisorientierter interaktion fußt.

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