Archiv der Kategorie: gesellschaft&zeitgeschichte

acta verhindern, aufmerksam bleiben

es dreht sich was. die bundesregierung bzw. das auswaertige amt hat die vorher gegebene weisung, acta zu unterzeichnen, zurueckgezogenauf eis gelegt und reagiert damit auf die weltweiten proteste gegen die aktuelleste von vielen aktuellen und fast-aktuellen gesetzesinitiativen der uns regierenden, die einer umfassenden einschraenkung von freiheitsrechten muenden wuerde. die regierenden sind in diesem fall weniger gewaehlte volksvertreter, sondern andere laender, lobbyisten, kommissionen. acta an sich ist natuerlich ein husarenstueck…

… aber v.a. der prozess ist haarstraeubend. da werden gesetzesvorhaben verhandelt und scheinbar in der hoffnung durchgedrueckt, dass die regierten davon nichts mitbekommen. angesichts der moeglichen folgen von acta und wie sie nicht alle heißen ist die erklaerung der slowenischen botschafterin in japan zwar beeindruckend aufrichtig – aber gleichzeitig ein niederschmetterndes zeugnis verwahrloster macht und entfremdeter repraesentation.

I signed ACTA out of civic carelessness, because I did not pay enough attention. Quite simply, I did not clearly connect the agreement I had been instructed to sign with the agreement that, according to my own civic conviction, limits and withholds the freedom of engagement on the largest and most significant network in human history, and thus limits particularly the future of our children.

denn genau dieses moment der nachlaessigkeit, der fahrlaessigkeit und vor allem der gleichgueltigkeit der betroffenen menschen ist die groeßte gefahr.

ein solches moment kann sich leicht einschleichen, wenn staendig irgendwelche gesetzesvorhaben am himmel auftauchen und wie sternschnuppen wieder verschwinden oder in massiv abgeschwachter form vor sich hin duempeln. nur kleinvieh macht auch mist und der tausendste versuch koennte klappen.

wir muessen aufpassen, widerstand wirkt so leicht dieser tage, man aendert sein profilbild hier und da und fertig ist die laube. ich nehme mich da gar nicht aus. ganz im gegenteil.

trotzdem ist es falsch und gefaehrlich, sich drauf zu verlassen, dass es schon irgendwie passen wird.

deswegen. vorsicht. wachsamkeit. widerstand. heute.

 

update

demo war ein solides zeichen. ablehnen statt aufschieben. ansonsten, arschkalt, amateurhafte orgajungs, extremes appeasement und altersdurchschnitt, der gefuehlt bei 12 lag. die zensurbrille machte mich zum medienstar der demo 😉

einige eindruecke:

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mit dem ruecken zur wand der partei ins eigene bein geballert

bullshit

bullshit

unfassbar. mein erster gedanke nach der lektuere dieses debilen demenzgewitters. matthias güldner, seines zeichens fraktionsvorsitzender der bremer grünen, erfindet irrsinn neu und diskreditiert nicht nur sich selbst, sondern auch die partei in seinem artikel mit dem affigen titel „Zur unerträglichen Leichtigkeit des Internets“ massiv. eine beispiellose vergewaltigung der tastatur muss da stattgefunden haben. kostprobe?

Wer Ego-Shooter für Unterhaltung, Facebook für reales Leben, wer Twitter für reale Politik hält, scheint davon auszugehen, dass Gewalt keine Opfer in der Realwelt fordert.

mir ein raetsel, wie man soviel inkompetenz, ignoranz und ahnungslosigkeit in einen satz packen kann… beeindruckend. worum es in dem geschreibsel gehen kann wird jedem sofort klar sein, mueßig dagegen zu argumentieren, mueßig, den schmarrn naeher zusammenzufassen.

die reaktionen freilich sind eindeutig: parteiaustritt(e), andere bleiben schweren herzens, doch angefressen dabei. fuer viele ist die partei damit unwaehlbar und die  entsprechende facebook-gruppe zeigt einigermaßen ernstzunehmendes wachstum. die gruenen selbst distanzieren sich von derartigem gewaesch. knapp 2 std. nachdem der „artikel“ erschien, aeußerte man sich entsprechend.

wie kann es zu solch einer irren tirade kommen? wie kann es sein, dass ein franktionsvorsitzender einer partei, die schon als neue fdp gehandelt wurde, weil diese es nicht schafft, traditionelle kernthemen vernuenftig zu beackern und v.a. aufs blut zu verteidigen. wie kann es sein, dass ein fraktionsvorsitzender einer partei, die schon vor einem jahr mit einer kampagne gegen vorratsdatenspeicherung aktiv in die richtige richtung wurde? hat er das nicht mitbekommen? ist er dagegen, dass der staat sich zunehmend auf kosten der freiheit breit macht?

ist es nur der mammonsruf eines geschaeftsmanns? nun, gueldners beratervertrag mit save the children, uk, deren geschaeftsmodell kinderschutz (und damit auch webfilter) ist, ist nun hinlaenglich bekannt.

oder liegt die sache vielleicht etwas anders? geht es hier vielleicht vielmehr um (freilich voellig selbstzerstoererische) parteistrategie. man kann fast nur hoffen, dass gueldner sich als gehetzter sieht, mit dem ruecken zur wand zu einem brachialkonter ansetzen wollte, „themen besetzen“, die en vogue zu sein scheinen, wo die gruenen aber scheinbar ueber keine ordentliche positionierung verfuegen.

wie dem auch sei. gueldner hat mit diesem amoklauf, die gruenen nachhaltig? beschaedigt. er hat maßlos inkonsistenzen offengelegt. dass die gruenen fuer werte auf die straße gingen, nicht nur friedlich, nicht nur legal, all das scheint ein gueldner nicht mitbekommen zu haben, ihn scheint es auch nicht zu interessieren, interessiert ihn doch ganz offenbar nur wenig, fernab vom tor des monats.

ich bin enttaeuscht, dass die gruenen einen solchen nicht nur beheimaten, sondern in bremen auch noch aufs schild heben. ich bin ueberrascht von soviel inkompetenz. und jetzt bin ich raus.

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mob in muc – kleines update

freiheitskampf, feiern, fußball – ein erfolgreiches wochenende, das nun leider zuende ist. morgen wieder maloche 😉

ueber das wichtigste ereignis, die sehr gelunge loeschen-statt-sperren demo in muenchen, habe ich bereits geschrieben. hier noch eben einige updates, es ist im nachgang noch das eine oder andere passiert in der sphaere der schwer paedokrimnellen.

1. meine konservative schaetzung war offensichtlich bayernparteireif: die piraten sprechen in ihrer pm zur veranstaltung von 900 demonstranten. das ist vorzeigbar!

spuren der bewegung im digitalen zusammengefasst.

neben den am freitag geposteten links ist natuerlich einiges mehr passiert. ein knappes update.

eine gute uebersicht so ziemlich alles, was sich zu diesem thema im netz bewegt bieten die beiden vom „wir sind das volk“ blog. geordnet nach staedten inkl. einiger, guter artikelempfehlungen. achja, unbedingt auch und immer wieder zu empfehlen ist christoph thurners denkwuerdiger dank an ursel.

weitere empfehlenswerte berichte:

bilder:

und als kleines schmankerl noch das interview mit joerg tausszu seinem eintritt bei den piraten (via und danke xxl-killababe):

mob in muc – loeschen statt sperren demo

die „loeschen statt sperren“ demo in muenchen war eine ueberraschung. ueberraschend groß, ueberraschend heterogen, ueberraschend zaeh,  aber auch ueberraschend zahnlos.

zugegeben, das bild der, sag wir mal konservativ, 300 leute, die sich heut am sendlinger tor in muenchen trafen war gepraegt von schlechten frisuren, bleichem teint und einem gewissen expertengebaeren. dennoch: es waren wesentlich weniger nerds und internetgeeks da als man haette annehmen koennen. neben den informatikern und echten c64-hardknocks war ein gutteil gothics bzw. metalheads vor ort und sonst – eine schwer definierbare masse, viele mit faible fuer alternative lebenskultur. so geschwollen koennte man es sagen.

das wetter war raeudigst, der regen donnert in einem gewaltstakkato vom himmel wie es sonst nur die ahnungslosen im bundestag mit worthuelsen und inkomptenzia schaffen. trotzdem hielt man aus, und ein großteil, geschaetzte 300 mann marschierten protestierend und skandierend vom sendlinger tor zur staatskanzlei.

die stimmung war – nass. nass und bestimmt, aber alles andere als aggressiv oder gar schwarzerblockesk. das kann gut sein, zeigt mir aber auch eine gewisse zahnlosigkeit dieser bewegung. ich denke, dass da zumindest potenziell noch etwas mehr schlagkraft her muss, um wirklich aufmerksamkeit zu generieren. die hoehe war, dass wir die letzten meter bis zur staatskanzlei von der straße auf den gehweg umgeleitet wurden, um dann bei der  abschlusskundgebung sogar eine schneise fuer einfahrende autos freizulassen.

der nachgang: was sich im netz, vor allem auf twitter, abspielt laesst sich ueber den hashtag #zensursulamuc bzw. altbekannt #zensursula verfolgen.

bilder gibt es z.b. hier oder auch hier. ich hoffe, es kommen noch mehr.

alles in allem dennoch eine erfolgreiche geschichte. nun muss es weitergehen. z.b. mit tauss, der heute in berlin seinen eintritt in die piratenpartei erklaerte.  das thema piratenpartei ist sehr interessant. bin gespannt, was sich da noch entwickelt und werde die tage nochmal meine eigenen gedanken zu strategie und kommunikation (was sonst?) dieser und fuer diese partei machen.

ich bin erstmal raus, ruendchen fifa zocken.

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zensursula als gruendungsmythos – veraenderung findet nicht im sessel statt

der dammbruch ist vollzogen. in einer absurden bundestagsdebatte beschlossen unsere sog. volksverteter, eine zensurinfrastruktur zu schaffen, um kinderpornografie zu bekaempfen. 389 gegen 128 bei18 enthaltungen und ein gnadenloser bitchslap fuer gut 130.000 petitenten. das ist das vorlaeufige ergebnis, das auch die last-minute-rebellen aus der spd (von tauss ueber tsg ueber diese und jene, achja, die versager vom spd-online-beirat natuerlich auch).

nun gibt es ein gesetz mehr. eines, das das grundgesetz mit fueßen tritt. eines, das sinnlos ist. eines, das vielleicht den aufstand provoziert.

so traurig die geschichte ist, soviel gutes laesst sie doch erhoffen. erstmal hat das gesetz nur begrenzte haltbarkeit. nach 3 jahren wird es einer pruefung unterzogen, die dessen sinnhaftigkeit klaeren soll. freilich, das als trostpflaster ist wenig mehr als nichts.. ist solch eine tuer einmal aufgestoßen, verzieht und verformt sie sich leicht und wird allzu wahrscheinlich nie wieder in den einstigen rahmen passen, niemals wieder ganz zu schließen sein. trotzdem!

denn da wurde einiges mehr losgetreten

da ist die erstarkung der piratenpartei, denen die debatte kraeftigen wind in die segel blies und der sich sicherlich noch verstaerken wird. schon wird nicht nur ueber eine zulassung zur bundestagswahl nachgedacht, sondern bereits kraeftig antraege verteilt. es ist multikulti-parade in der deutschen politik und nach dem versuch, chinesische oder iranische verhaeltnisse zu schaffen, werden wir vielleicht bald schwedische sehen.

politisierung der internetszene

der aufstieg der piratenpartei geht natuerlich einher mit einer deutlichen politisierung der sog. netzbevoelkerung. befeuert von vor inkompetenz und ignoranz strotzenden angriffen aus politik und anderen teilen der gesellschaft laesst sich deutlich beobachten, wie erst politisches bewusstsein verstaerkt wurde und dies in politische aktionen muendet. es faellt mir schwer, angesichts der schieren masse an beitraegen einzelne zu verlinken. ich habs hier dennoch getan, um weiterzufuehren ohne anspruch auf die geringste vollstaendigkeit.

was fuer die anti-atom- und friedensbewegung der 70er brokdorf oder die starbahn-west war, das – so macht es derzeit den anschein, laesst zumindest so hoffen – ist fuer uns zensursula und die bildungsdebatte. brokdorf und konsorten ließ die gruenen zur politischen kraft werden. zensursula koennte zur starthilfe fuer eine ernst zu nehmende politische kraft der buerger- und freiheitsrechte werden.

rene von nerdcore erklaert seine (respektive die des internets) unabhaengigkeit von der dt. politik und macht  klar, dass wir nurnoch „scheiße auf die politik regnen lassen“ werden. er nagelt die drohungen, die vielerorts erklingen an zahlen fest: wir, das sind geschaetzte 500.00 menschen. wir, das sind multiplikatoren, die mehr oder weniger einfluss auf die 43,5 mio. (ard/zdf onlinestudie) deutschen im internet nehmen. wir, das sind die, die euch in eurer ignoranz ersticken lassen werden.

das ganze im angesicht allgemeiner politikverdrossenheit und entfremdung zwischen volk und volksvertretung bedeutet gewaltiges mobilisierungspotenzial! es geht hier ja nicht nur um das vermeiden unsinniger und gefaehrlicher gesetze (obwohl das schon reichen wuerde) –  was ich sehe ist ein aufstand gegen ein kultur der ignoranz in der politischen klasse. ein kultur in der der buerger allein vehikel ist, um selbstreferenzielle, wirklichkeitsfremde systeme aufrecht zu erhalten. alle 4 jahre wird um die wette kommuniziert, um 4 jahre ruhe und routine zu bekommen, um im angesicht draengender probleme substanz- und wirkungslose potemkinsche loesungen zu produzieren. der bundestag scheint allzu oft als schimaerenindustrie – zu diesen schimaeren gehoert ein solches zensurgesetz genauso wie die gesundheitsreform oder affiges lavieren um pendlerpauschale u.ae.

ich hoffe, dass zensursula auch gruendungsmythos fuer einen aufstand gegen diese etablierte kultur wird.

was iran lehrt

es ist ein interessanter zufall, das wir derzeit die wohl groeßte und gleichzeitig vielleicht zahnloseste revolution aller zeiten erleben. die wahlen im iran, ob getuerkt oder nicht, erleben (aehnlich wie georgien oder tibet zuvor) eine unfassbare internationale oeffentlichkeit. katerlysiert durch neue medien und das david-vs-goliat-gefuehl findet die revolution mindestens im internet statt. was tatsaechlich passieren wird.. let’s see. dennoch: minutioes dokumentieren die granden des journalismus das geschehen – quelle sind meist new media kanaele: nyt, guardian oder huffington. sie alle beweisen, dass irans online-kommunikation und -protest vorbildlich funktioniert – ueber foren, twitter, facebook, blogs und cyberwar-maßnahmen.

man nehme noch das beispiel madagaskar dazu und ist ganz schnell bei clay shirk, der den schluss zieht, dass eben diese medien das zeug haben, geschichte zu machen. das haben sie zweifelsohne, doch sollten wir eines nicht vergessen waehrend wir uns in unseren warmen buerosesselchen kaffeetrinkend echauffieren: veraenderung in der wirklichkeit finden letztendlich in der wirklichkeit statt und veraenderung geht nicht nur ueber blogbeitraege, flickrfotos oder petitionen. veraenderung muss auf der straße stattfinden.

oder wie es evgeny morozov in foreign policy fuer das bsp. iran lapidar formuliert:

Iran will simply pull the plug on the entire Internet in the country – this would be a logical thing to do – leaving all of us without all those Flickr pictures and YouTube videos. Now, this would be really sad – but, perhaps, also a good lessons for those who are all too eager to become „cyber-revolutionaries“ in the comfort of their homes.

veraenderung findet auf der straße statt

die chance ist da. die mittel koennten besser nicht sein.  aktivierung und organisation sind leichter denn je. jetzt gilt es, virtuelle revolution in reale veraenderung zu uebersetzen.

es liegt an uns, diesen sieg der ignoranz, der antidemokratie in einen pyrrhussieg zu verwandeln. eine schlacht von der man irgendwann sagen wird, das sie uns aufstehen ließ, wegen der wir lethargie, verdrossenheit und kleinteiligkeit abschuettelten und faeuste und stimmen erhoben. erhoben fuer nicht weniger als freiheit und gerechtigkeit.

prost.

himmelherrgott – YOU blew it

eben durch eine ausgabe der tvmovie geblaettert, mich anfangs gefreut ueber eine praegnante zusammenstellung der quotenentwicklung bei tv-newsformaten, dann durch den artikel das einfaeltig-durchschaubare geschreibsel jaeh enttaeuscht und wieder auf den boden der tatsachen zurueck geholt worden.

erst einmal die quotenentwicklung (2004 zu 2008 im segment 14-49).

  • ard tagesschau: -25,5% (1,41 mio zu 1,05 mio)
  • rtl aktuell: -9,3% (1,61 zu 1,46)
  • zdf heute: -32,8% (0,67 zu 0,45)
  • rtl2 news: -24,4 (0,82 zu 0,62)
  • sat1 nachrichten: -29,4 (0,92 zu 0,65)
  • pro7 newstime: -35,2 (1,05 zu 0,68)

das waere ja an sich eine ganz vernuenftige zusammenstellung (wenngleich quellen fehlen und mir die zahlen teils etwas merkwuerdig vorkommen, aber sei es wie es dargestellt ist). was aber sehr sauer aufstoeßt ist der nebenan stehende artikel („nachrichten in der krise“), der wiedermal versucht, mit affigen spitzen gegen ein nebuloeses, aber ganz sicher unheilvolles „online etc.“ anzukaempfen… das natuerlich in bekannter manier dieser ewig gestrigen klammerer. diejenigen, die der eine don zurecht pudel nennt und denen der andere don zurecht ahnungslosigkeit vorwirft, eben wahlweise durch gezielte desinformation oder schlichte bloedheit, durch verbreitung von angst oder traditionshuddelei.

geradezu emblemartig wird dort im fernsehmagazin dann auch zitiert, naemlich „ein mann, ders wissen muss“; naemlich peter kloeppel, der mit nur einem satz eine derartig debile melange aus unwissenheit, unfaehigkeit, fehleinschaetzung und ignoranz daherunkt, dass steffen simon sicher frohlockend durch die sonne tanzt. sowas schafft sonst nur er beim fußball.

„professioneller nachrichtenjournalismus hat einen deutlichen qualitaetsvorsprung gegenueber web-diensten wie z.b. twitter“e

und dieser qualitaetsvorsprung, der die newsformate vor dem tode retten soll, liege – so die scheinbare kernaussage – eben in der kompetenz, das publikum „gezielt durch das unuebersichtliche infodickicht zu fuehren“. schade, dass ganz genau das eben in den newsformaten nicht geschieht. da wird entweder boulevardesk bagatellisiert, dem politischen wetter gefroent, neusprech versucht oder sich gleich wild fuer marketingzwecke prostituiert. eine vernuenftige integration des „infodickicht“, also eine wirklich ernsthafte integration des web findet kaum statt. da versucht jeder sein eigenes sueppchen zu kochen und vor lauter halbherziger wuerzerei wird verpasst wie ein feinkostladen nach dem anderen außen herum oeffnet und das publikum eben dorthin rennt, wo es die feinsten stuecke gibt.

das siechtum der alten medien ist – aus aktuellem anlass mit blick auf print mal wieder vortrefflich zusammengefasst von jeff jarvis – eben hausgemacht. yeah, you blew it.

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israels dunkler seelenzustand?

in diesem text moechte ich eine sehr dunkle, aber moegliche seelenlage in der israelischen politik beleuchten. bewusst will ich nicht zu jedem argument contra israel eines auffuehren, das den schwarzen peter wieder zu den palaestinenser schiebt.

immer naeher rueckt eine deprimierende vermutung, naemlich die dass all zu viele machthaber zur ueberzeugung gelangt sind, der israelische traum, eine juedische heimstatt im eigentlichen mutterschoß der juedischen kultur zu errichten, sei nur ueber die ausradierung des palaestinensischen staates zu verwirklichen. derartige vorstellungen, die uri avnery als ergebnis „moralischen irrsinns“ beschreibt,  moegen nicht explizit vorliegen, doch scheint mir als laege diese idee der aktuellen vorgehensweise zu grunde.

wenn es naemlich, wie herb keinon in der jerusalem post analysiert – wahr ist, dass ein strategisches hauptziel dieser aktion war, anarchie im gaza-streifen zu schaffen – und dafuer spricht sehr vieles -, dann ist diese ganz sicher dem misthaufen der barabarei entwachsen.
die keimzelle fuer aehnlich fragwuerdige bis widerliche maßnahmen wie bspw. der 18 monate waehrenden blockade, also der kollektiven bestrafung eines volkes, die zu einer „paralysierung“ der gesellschaft und hin zur humanitaeren krise fuehrte.
auch der heute unilateral verkuendete waffenstillstand passt exakt in diese art des denkens, dass naemlich eine loesung nur im alleingang und keinesfalls unter ruecksichtnahme auf das palaestinensische volk zu finden sei.

israel, so graut es mir, scheint sich tatsaechlich in einer sackgasse zu befinden. eine situation deren vermeintliche ausweglosigkeit zu einer sukzessiven radikalisierung der gemueter und mithin der entscheidungen fuehrt. diese prekaere situation und das damit keimende gedankengut hat mindestens drei hautpwurzeln.

einmal eine innenpolitische. der interne konflikt ist deutlich dargestellt durch die schwierige siedelerfrage. was tun mit diesen siedlungen, die voelkerrechtswidrig seit der 67er offensive existieren und sich ausbreiten? aus dieser inneren zerrissenheit ergibt sich eine weitere folge, naemlich die aeußerst geringe bereitschaft der israelischen bevoelkerung, eigene opfer dieses krieges hinzunehmen. ein umstand, der zu einer grausamen doktrin fuehrte. baraks plan scheint zu sein: um eigene verluste zu vermeiden ist jedweder widerstand maximal zu zerstoeren.

die naechste wurzel ist eine tiefe skepsis gegenueber der arabischen welt, welche sich in der frage ausdruecken ließe: wollen diese leute ueberhaupt einen fairen frieden? diese skepsis wird nochmals emblemhaft in der grundsaetzlichen ablehnung der demokratisch gewaehlten regierungspartei (und freilich verabscheuenswuerdigen terrororganisation)  hamas dargestellt.

die dritte wurzel ist das problem der anklopfenden demografie. israel steht hier eben vor der entscheidung einen vernuenftigen und lebensfaehigen staat palaestina zu akzeptieren oder ueber kurz oder lang, minderheit im eigenen lande zu sein. tja, oder.. ich moechte es gar nicht aussprechen, aber eine weiter, ekelhafte folgerung waere moeglich: die palaestinenser maximal zurueckzubomben. das wort genozid koennte hier auftauchen.
in der arabischen welt, soweit mein eindruck aus gespraehcen und kontakt mit arabern dort, vornehmlich in der golfregion, bestaetigt, ist das ohnehin desastroese israel-image noch weiter abgestuerzt und selbst solche geschmacklosigkeiten wie nazi-vergleiche werden immer lauter und ernsthafter geaeußert.

mich stimmt diese analyse traurig und man kann nur hoffen, dass es von irgendwo vernunft und vernuenftigen menschenverstand regnet. vom vor kurzen noch quasi als erloeser gefeierten obama kommt bis dato gar nichts und seine aeußerungen zum thema guantanamo lassen da auch keine großartigen hoffnungen auf eine vernuenftige „change“-politk aufkommen.

arme welt.

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