Archiv der Kategorie: kommunikation

fuck off: von marken, die sich anbiedern

vor kurzem habe ich mich in der new business ueber zwanghafte risikoaversion in der reklame-werbe-kommunikationsbranche ausgelassen.

das ist, wenn wir solange den letzten und schaerfsten megatrends, bewaffnet mit mafo und best-practices, hinterher hecheln, bis uns die leute entspannt flanierend ueberrundet haben. ein sicherer weg fuer marken, die in die bedeutungslosigkeit wollen.

schlimmer als datensuechtige, die alles richtig machen wollen sind allerdings diejenigen, die sich kraftlos anbiedern, um etwas zu verkaufen (das sind uebrigens auch meist datensuechtige). marken, die versuchen, direkt aus „der lebenswirklichkeit der buergerinnen und buerger“ zu kommen. oder so aehnlich.

anbiedern, das ist fuer mich der versuch, sich einem bewunderten oder schlicht angepeiltem gegenueber mit verbraemten zitaten desselben anzudienen, um dessen sympathie, gar respekt, zu erschleichen. man versucht gerade nicht, sich respekt zu erarbeiten, indem man etwas leistet oder gar geleistet hat, sondern hofft auf einen laechel-reflex. ich laechle dich wissend (als verbuendeter und so) an und erschleime mir so ein reflexhaftes zuruecklaecheln. die kroenung ist, dass es im kern ja nicht um sympathie, sondern lediglich um kommerz geht. was affe anlaechelt, das mag affe, was affe mag, das kauft affe.

anbiedernde werbung ist pure taeuschung und versucht durch spiegelung gesellschaftlicher themen, ohne selbigen etwas hinzuzufuegen, zu verkaufen. marketing (v.a. werbung) dieser couleur ist pures schmarotzertum und bringt marken zurecht in verruf.

wie man sich anbiedert? man hetzt die meute, jagd nach relevanten themen, erkennt moeglicherweise gar die psychologie dahinter – und schreibt das auf ein plakat, eine website, dies, das, jenes, am besten tv.

beispiel gefaellig? kein thema. no maybe. marlboro. der kampagne fehlen zwar idee und kraft, dafuer ist sie allenorts zu sehen. ein luxus, den sich große unternehmen schlechterdings noch leisten und unter als „wert“ werbeawareness verbuchen koennen.

die kampagne versucht in einer verunsicherten gesellschaft, in der jeder nach mehr, mehr, mehr, mehr selbstverwirklichung strebt und dann im meer der moeglichkeiten tagtaeglich nur noch gegen das ertrinken kaempft, kollektive kampfansage an die traeumerei zu sein. die traeumerei, das vielleicht, das maybe als feind der besseren welt im kopf… soweit so gut, grundsaetzlich ein schoener gedanke. ein gedanke, den weiterzudenken und zur welt zu bringen eine gute sache waere.

nur leider kommt marlboro nicht ueber den ansatz eines gedankens hinaus*. und genau das ist das abstoßende (mir ist hier vollkommen gleichgueltig, ob marlboro krank macht oder ein gruenes gewissen).

die marke markiert hier gesellschaftlichen anspruch und simuliert relevanz. sie naehert sich einem siedend heißen tatort und spielt den zeugen „mit sachdienlichen hinweisen“. sie dient sich der gesellschaft an, sie sagt „ich bin genauso wie ihr“ und geht dann weiter und ruft „ich habe eine idee wie wir aus der misere wieder rauskommen“ und dann —- stille. nichts. ende. schall ohne echo. in der ecke haengt ein schild: „kauf mich“.

ein billiger versuch, in die koepfe der leute zu kommen. einer, der gluecklicherweise mehr und mehr und schneller und schneller enttarnt wird.

mir geht hier das messer in der tasche auf. ich bin der festen ueberzeugung, dass marken eine gewichtige und gute (im weitesten sinne des wortes) rolle spielen koennen, wenn sie eine idee einer welt formulieren und diese welt als ihre mission betrachten. das muss nicht einmal eine politische komponente, es muss – nach meinem dafuerhalten – nur der unbedingte wille zu sehen sein, einen unterschied zu machen. insofern geht das auch einher mit einer gewissen abkehr vom reinem konsumismus, doch dazu an anderer stelle wann anders.

wenn levis „go forth“ und „now is our time“ sagt und nicht nur geile street art an den start bringt, sondern sogar kostenlose werkbaenke in berlin aufbaut, dann ist das ein versuch, einen unterschied zu machen und dann ist das fuer mich ein weg, relevant zu sein. levis spielt eine gewichtige rolle (was wiederum fuer mich persoenlich im uebrigen auch ein kaufgrund waere).

wenn marlboro no more maybe sagt, dann nicke ich zustimmend. wenn dann nichts mehr kommt, dann fuehle ich mich verarscht und hintergangen. denn als „souveraener konsument“ erwarte ich heute mehr als blabla und kaufkauf von einer marke. wenn marken „mehr“ vorgaukeln und dann nicht in der lage sind, das vorgegaukelte einzuloesen, dann landen sie ganz schnell auf der insel der unliebsamen und verachtenswerten boesewichte unserer zeit (dort wo die wilden guttensbergs, bernie madoffs und schettinos wohnen). und dort sind sie nur im besten fall bedeutungslos.

kein guter ort fuer marken, die etwas verkaufen wollen.

prost.

notiz na mich selbst: diese marken nenne ich „ruchlose marken“ und schreibe einen abgesange auf diese

* das ding beginnt gerade, vielleicht kommt ja sogar noch was

p.s. geil, endlich mal wieder was gebloggt

social objects machen noch keinen sommer

flirten ist nicht genug. nicht ganz falsch. sowieso. aber was ich blumig und schwammig ausgedrueckt habe, das laesst sich auch sehr praezise und klug analysieren, sogar in sinnvolle terme packen. hugh hat vor kurzem eine faszinierende diskussion gestartet. die unterscheidung zwischen social object und purpose-idea finde ich extrem spannend.

eine ‚purpose-idea‘ ist manifestierter sinn. die idee hinter dem tun. sei es bezogen auf unternehmen, produkte oder kommunikation – oder alles andere.*

social objects sind die grundlage von kommunikation, sie sind ursache von gespraechen.

soziale objekte fuehren zu einer menge aufregung und aufsehen. zumindest koennen sie das. soziale objekte koennen alles sein, auch messages, aber zweifelsohne haben sie mehr futter als eine simple botschaft. das macht das konzept interessant fuer die kommunikation, besonders die werbung. kommunikation mit sozialen objekten bedeutet einen himmelweiten unterschied zur werbung slash reklame wie wir sie mal kannten und noch allzuoft sehen muessen.

aber mehr als auf sicht reicht das nicht. soziale objekte muessen einen kern haben. sie muessen sinnvoll sein. z.b. weil sie auf einem ideal, einer idee, einer tiefen ueberzeugung, einem grund fußen.

soziale objekte, die auf diesem prinzip basieren sorgen heißen irgendwann (vielleicht) großartig, außergewoehnlich, revolutionaer, relevant, inspirierend, motivierend, fuehrend usw. usf. das gilt fuer unternehmen, kommunikation und all den rest.

wir in der kommunikation sollten daran unbedingt und immer und niemals nicht denken.

die folgenden artikel sollten definitiv gelesen werden:

cheers,

florian

* — update —

scheint als waere meine erlaeuterung des purpose-idea begriffs etwas zu esoterisch 😉 tatsache. deswegen hier als zitat aus einem interview des erfinders wort:

mark earls:

Put really simply, the Purpose-Idea is the “What For?” of a business, or any kind of community. What exists to change (or protect) in the world, why employees get out of bed in the morning, what difference the business seeks to make on behalf of customers and employees and everyone else? BTW this is not “mission, vision, values” territory – it’s about real drives, passions and beliefs. The stuff that men in suits tend to get embarrassed about because it’s personal. But it’s the stuff that makes the difference between success and failure, because this kind of stuff brings folk together in all aspects of human life.

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interaktion in der halbwelt – augmented reality uebernimmt

fuer mich eine der massiven upcoming technologien fuer soziales, interaktives marketing: augmented reality, also das zusammenspiel von virtueller und realer welt.prinzipiell das gleich wie die story mit dem keyboard und ploetzlich wundersamerweise erscheinenden zeichen auf dem bildschirm. nur eben doch ein klein wenig fresher. in letzter zeit sind mir einige teile ueber den weg gelaufen und – so billig es eigentlich auch sein mag – hat es mir doch die socken ausgezogen, dass ich ein stueck bedrucktes papier in die webcam halte und mein monitor ein 3d modell des neuen nissan 370z erscheinen laesst.

dies eine technische spielerei, die momentan sicherlich noch mindestens den aha-effekt mitzunehmen vermag, doch das potenzial des ganzen bei weitem nicht ausschoepft. cooler da schon das, was mini auf die beine stellte. naemlich diese technologie in die welt zu tragen und mit einer guten, griffigen idee zu verbinden.

den launch des neuen cabrios auf diesem wege zu vollziehen ließe sich schon fast als eine gewisse sozialisierung der marke verstehen. gut, zumindest laesst es sich so positionieren und ganz gewiss kann man die kampagne mindestens als anbiederung mit dem asphalt verstehen.

augmented reality gepaart mit der sozialen idee ist mit sicherheit eine absolute knockout-kombo. richer interaction – koennte man sagen. indem man also das prinzip interaktion zu grunde legt und dem adressaten zusaetzlich noch das interaktionserlebnis derart verschoenert, dass es spiel & traum gleichzeitig wird, schafft man dem benutzer/konsumenten eine „branded“ halbwelt, in der die marke vehikel individueller ideen wird. tags: spiel-, entdeckungs-, wasweißichwasnochtrieb. groeßer gehts wohl nicht.

eminem (wieso laesst sich vimeo nicht einbinden) geht mit seiner competition im rahmen der relapse-veroeffentlichung da schon einen guten schritt in die richtige richtung, wenngleich da sicherlich noch ordentlich raum fuer mehr komplexitaet und moeglichkeiten ist… die gallerie zeigt dies. das ist durchaus erbaermlich. aber die ersten schritte sind die schwersten und hier wird AR eben nicht nur als technologie verstanden, sondern tatsaechlich als rich tool, um die nutzererfahrung zu verbessern und damit den marketing-effekt zu steigern. chapeau!

ich sehe jetzt schon online autorennen 1on1, monsterkaempfe, personalisierte modenschaun usw usf.

da geht einiges mehr als schlichte produktpraesentationen, zum beispiel rattenkoepfe. dazu noch eine interessante kleine firmenpraesentationsdoku – aus dem jahr 07

cheers

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potemkinsches marketing bringt eben nur fringe-destruction

brotlos kunst, JUNGE! so haette das, was sich da seit freitag auf pro7 abspielt, mein alter trainer kopfschuettelnd abgetan. zugegeben, mich hats fasziniert, genause meine mademoiselle (wir waren sozusagen voll engaged) und umso enttaeuschter war ich, wie schwach dieser durchaus freshe ansatz letztlich umgesetzt wurde.

doch was ist passiert? gestern abend saß ich also vor der glotze und schaute unknown (nebenbe:i eine lustige analogie, denn der film ist gleichermaßen ambitioniert, bricht dann aber hinter der schoenen fassade grandios zusammen 4,5/10). waehrend der werbepause schaltet pro7 seine newsformat „newstime“ und fasznierte mit einer merkwuerdigen meldung: in den usa sei da ein kind geboren, welches unter einem mysterioesem gendefekt litte, das es derart schnell wachsen ließ, dass es schon waehrend der geburt mannesgroeße erreichte. gezeigt wurde ein „amateurvideo“, das arg nach professionalisiertem pseudo-dilettantismus roch. bereits in das ende der nachricht wurde ein promo-teaser fuer die neue mystery-serie „fringe“ eingeblendet. doch seht selbst

die unglaublich nachricht ließ mich genauso aufmerksam werden wie die etwas merkwuerdige sprache und auch der ungewoehnliche uebergang. als echter digitalista war das notebook natuerlich nicht weit und google noch naeher und so wurde ich schnell stutzig: die nachricht fand weltweit keinen einzug in die news, selbst twitscoop brachte nichts zutage.

damit war schnell klar, dass dies eine zwar zweifelhafte, aber zumindest mutig marketingidee war. doch dermaßen schwach umgesetzt tut sich pro7 keinen gefallen.  okay, der anfang hatte schon etwas wellseskes, denn ich war ernsthaft interessiert und unglaeubig und informierte mich aktiv fuer mehrere minuten. doch wer aus derartigem „engagement“ nichts macht, der tut sich keinen gefallen. das ding steht tatsaechlich im luftleeren raum. kein seo, das leute wie mich z.b. auf eine spannende teaser-site (bspw. sowas fuer walts warning) braechte. oder zumindest auf einen blog, ein youtube video, ne facebook oder studivz-gruppe… irgendwas. das ding ist schlichtweg in nichts integriert und bringt so auch nichts als verwunderungunverstaendnis, schimpf und schande.

die vermutung ist klar und die youtube-kommentare belegen sie:mit der aktion schaedigt pro7 einzig und allein seine news-marke „newstime“.

wenn man naemlich die voegel nur aufscheucht und dann irre herumflattern laesst, der bringt nichts als brotlose kunst daher.

*** UPDATE

mittlerweile ist auch eine pro7-stellungnahme (via DWDL) oeffentlich, in der – angesichts der durchaus ernstzunehmenden empoerung – geradezu fahrlaessig lapidar darauf hingewiesen wird, dass „fringe“ eben so auf diese art beworben wird. zack. adieu allerletztes quentchen glaubwuerdigkeit.

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