Schlagwort-Archive: kommunikation

social objects machen noch keinen sommer

flirten ist nicht genug. nicht ganz falsch. sowieso. aber was ich blumig und schwammig ausgedrueckt habe, das laesst sich auch sehr praezise und klug analysieren, sogar in sinnvolle terme packen. hugh hat vor kurzem eine faszinierende diskussion gestartet. die unterscheidung zwischen social object und purpose-idea finde ich extrem spannend.

eine ‚purpose-idea‘ ist manifestierter sinn. die idee hinter dem tun. sei es bezogen auf unternehmen, produkte oder kommunikation – oder alles andere.*

social objects sind die grundlage von kommunikation, sie sind ursache von gespraechen.

soziale objekte fuehren zu einer menge aufregung und aufsehen. zumindest koennen sie das. soziale objekte koennen alles sein, auch messages, aber zweifelsohne haben sie mehr futter als eine simple botschaft. das macht das konzept interessant fuer die kommunikation, besonders die werbung. kommunikation mit sozialen objekten bedeutet einen himmelweiten unterschied zur werbung slash reklame wie wir sie mal kannten und noch allzuoft sehen muessen.

aber mehr als auf sicht reicht das nicht. soziale objekte muessen einen kern haben. sie muessen sinnvoll sein. z.b. weil sie auf einem ideal, einer idee, einer tiefen ueberzeugung, einem grund fußen.

soziale objekte, die auf diesem prinzip basieren sorgen heißen irgendwann (vielleicht) großartig, außergewoehnlich, revolutionaer, relevant, inspirierend, motivierend, fuehrend usw. usf. das gilt fuer unternehmen, kommunikation und all den rest.

wir in der kommunikation sollten daran unbedingt und immer und niemals nicht denken.

die folgenden artikel sollten definitiv gelesen werden:

cheers,

florian

* — update —

scheint als waere meine erlaeuterung des purpose-idea begriffs etwas zu esoterisch 😉 tatsache. deswegen hier als zitat aus einem interview des erfinders wort:

mark earls:

Put really simply, the Purpose-Idea is the “What For?” of a business, or any kind of community. What exists to change (or protect) in the world, why employees get out of bed in the morning, what difference the business seeks to make on behalf of customers and employees and everyone else? BTW this is not “mission, vision, values” territory – it’s about real drives, passions and beliefs. The stuff that men in suits tend to get embarrassed about because it’s personal. But it’s the stuff that makes the difference between success and failure, because this kind of stuff brings folk together in all aspects of human life.

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flirten ist nicht genug

einst war werbung und marketing dampfbademeisterei, nicht nachzuvollziehen, geschweige denn nach erfolgskriterien zu kalkulieren. mindestens die haelfte der marketingausgaben war schrott – nur welche? irgendwann enterten mehr und mehr controller den kahn und wurden gefragte marken- und marketingtheoretiker – und dann kam das internet mit dem versprechen vorbei, endlich messbarkeit zu liefern. ROI stand den marketeers und unternehmen in den augen.

ungluecklicherweise evozierte das internet und seine armada an tools und services einen weiteren effekt: die revolution der massenkommunikation von 1:n zu n:n und marketeers sind nun – ob sie es schon begriffen haben oder nicht – einfache mitspieler auf einem großen, kaum ueberschaubaren feld.

die naehe des ROI-rushs und der mediendemokratie/social media/anderesbuzzword hat ein gewichtiges missverstaendnis erzeugt: strategische kommunikation mittels social media ist nicht gleichzusetzen mit (gar kurzfristiger) ROI-messbarkeit. social media (argh) ist auch kein verkaufstool. ich bekomme den eindruck, dass dieses missverstaendnis viele kommunikationsexperten, werber etc. verwirrt. da wird schlichtweg erwartet, dass das beackern dieses neuen, tollen feldes mit neuen, coolen werkzeugen auf die gute alte art und weise irgendwie doch noch funktioniert.

vor diesem hintergrund erst erscheinen mir artikel wie dieser bei off the record nachvollziehbar. kommunikation als flirt, der lediglich das ziel abverkauf im sinn hat. so kurz gedacht, so weit verbreitet. der gespraechige markt wird dann nicht mehr von einem nervtoetend bruellendem billigen jakob gestresst, sondern von charmanten gigolos umgarnt, verfuehrt. so einfach ist es nicht, denn unsere kommunikationsinfrastruktur fußt auf mindestens 3 grundlegenden prinzipien, die den flirtansatz recht schnell ad absurdum fuehren: 1) sichtbarkeit, 2) auffindbarkeit, 3) mitteilungsbeduerfnis. der permanente flirt wird also sehr schnell als solcher enttarnt. die marke als schwerenoeter gebrandmarkt und ins feuer geschickt oder der konsument laesst sich eben von eben jenem produkt/marke verfuehren, die gerade verfuegbar ist.

das wiederum wuerde den ROI-gedanken brutal konterkarieren.

nein, das gespraech ist nicht belangloses, aber nettes beiwerk, sondern das geruest zukuenftigem markterfolges. markterfolg wird wesentlich durch soziales kapital bestimmt sein. die reputation einer marke, die relevanz des markenverhaltens, die qualitaet der produkte und die glaubwuerdigkeit der organisation werden entscheidend fuer den markterfolg sein. und da soziales kapital ein sehr komplexes konstrukt ist werden marken nur dann nachhaltig ueberleben, wenn sie sich nicht der kurzfristigen liaison hingeben, sondern ihr verhalten von grund auf veraendern. um es in mit fallons aki spicer zu sagen:

Move from campaigns towards commitments – particularly within the realm of social media – ask yourself what value you bring to your ‘fans’/consumers every day?

(die kongeniale praesentation ‚the engagement opportunity‘ ueber brand engagement und planning im digitalen ist im uebrigen waermstens zu empfehlen.)

produktqualitaet ist nicht genug

der flirt macht spaß, aber wenn ein jeder sehen kann, was fuer ein lover boy du bist, dann ist der charme auch alsbald dahin.

und der einwand, die menschen wollen gute produkte (um mal von der metapher wegzukommen) und finden diese auch, wenn sie denn da sind, trifft den kern auch nicht ganz. ein gutes produkt macht noch keinen markterfolg (der tesafilm wurde dem vernehmen nach erst durch einen marketingkniff erfolgreich). das gilt in  potenzierter form heute mehr denn je. tue gutes und sprich darueber ist das mindeste. aber auch das reicht nicht: kommoditisierung betrifft mehr und mehr gueter – entsprechend wird die rolle der marke als sinnstifter immer wichtiger. das klingt trivial und ist es erstmal auch. denn was neu ist, ist nicht neu. allein das marketing war recht erfolgreich damit, die basalsten regeln der kommunikation zu ignorieren. das feuert jetzt zurueck.

der anfang ist also relativ simpel, das markenspezifische weiterdenken verdammt schwer und die umsetzung kaum zu denken. aber notwendig.

der status quo (insbesondere hierzulande) macht immer wieder deutlich: es ist noch ein weiter weg zu gehen. dann aber sind die moeglichkeiten fantastisch, denn wonach ein jeder immer suchen wird ist sinn und selbstverwirklichung. in diesem spannungsfeld koennen marken eine menge (gutes) erreichen.

f

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social media ist kultur, nicht logo

am eigenen leib erlebe ich gerade wie schwer es sein kann, konzepte, oder auch nur instrumente, die mir und vielen anderen der sog. net generation (oder wie auch immer du sie nennen magst) ganz normal, ja, notwendig erscheinen, in organisationen zu implementieren.

das sind organisationen, die sich nun eigentlich auf der kreativen sonnenseite waehnen und glauben, die innovatorenrolle in den genen zu haben – entsprechend eben auch im glauben leben, veraendern muessten sich nur die anderen. da sind vielleicht die organisationen, die zwar laufen, aber mindestens ahnen, dass da in puncto technologie deutlich mehr geht, vielleicht die angenehmeren, denn die koennen noch staunen. unvergessen bleibt das erlebnis als kunden (echte englische ladies), erstaunt von diesem phaenomen twitter, die url eingaben und sich frohlockend wie kleine kinder direkt im meeting via blackberry dort anmeldeten und lostwitterten… jauchzend fast.


social media beratung muss sich professionalisieren

entsprechend froh bin ich ueber david nelles fazit der dmexco: dieser schoene artikel, der einmal mehr hervorhebt, wie wichtig es ist in puncto social media vom tool-denken wegzugehen. so eindruecklich gerade twitter auch immer wieder sein mage, so irre fuehrend ist es eben auch permanent auf einzelne dienste und services hinzuweisen, um zu erklaeren was social media ist. das verkuerzt straeflich und laesst glauben, social media bedeute eben den handwerklich richtigen einsatz bestimmter werkzeuge.

falsch. social media ist ein kommunikatives prinzip,  das auf offenheit und interaktion basiert. um mit ed schein zu sprechen: social media muss die grundannahmen sowie das wertesystem der organisation bestimmen und nicht lediglich die symbolik.

Social Media ist aber kein Tool, sondern soziale Interaktion im digitalen Raum (nelles)

exakt. genauso richtig wie nelles folgerung, dass social media eben mindestens genauso sehr eine angelegenheit der internen wie der externen kommunikation ist. es ist nicht leicht, ploetzlich die prinzipien des teilens, der offenheit, der kollaboration zu leben. es ist eben – und wahrscheinlich ist das letztendlich sogar ein segen fuer die organisationskultur – nicht jeder digital native. nicht jeder hat die prinzipien (wie z.b. don tapscott die sog. ’net generation‘ beschreibt) derart internalisiert. und eben in dieser hinsicht muss kommuniktionsberatung als mentor und coach agieren – wenn sie denn kann.

da wird es naemlich recht schnell schwierig, wenn eigenbroetlerische kreativdiktatoren unbeirrlich my way or highway spielen, wenn berater immernoch glauben, kondensiertes powerpoint muss reichen. wenn projektmanager noch immer kurznachrichten per email schreiben. wenn organisationen weiterhin kommunikative innovation versprechen, aber außer twitter-logo screengrabs nichts zu bieten haben, geschweige denn ein fundament der sozialen, offenen interaktion… dann wird es social media so gehen wie dem marketing dereinst und der touch der hokuspokusesken dampfbademeisterei wird bleiben und bestehen.

die tools sind da, nun muessen wir diese nicht einzeln verwenden, sondern verweben und als kultur injezieren. zugegeben: eine arg affige formulierung, die auf grund herber kritik ersatzlos gestrichen wird 😉

prost

** update 16.10 – einige unsaeglich schreibfehler entfernt. cus.

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bubbletising cracks me up

es verwundert mich immer wieder, wie schlecht so genannte professionelle werbung sein kann: alte hackn. es verwundert mich aber fast noch mehr, wie es moeglich ist, dass die werbeform der layer ads noch immer lebt. irgendwelche flashdinger, die ueber der website schweben und mich persoenlich extrem stoeren. die dinger koennen so sexy sein wie sie wollen – meinetwegen sogar von besonders hoher relevanz – mich interessiert allein der close button. die werbeform an sich, das prinzip stoerung, schafft eine derartige aversion, dass der inhalt zweitrangig wird.

damit stehe ich wohl nicht alleine und die annahme ist, dass die werbewirkung dieser quaelgeister gleich null, wahrscheinlich sogar negativ ist. freilich, die klickraten sind hoeher als bei bannern etc. (und banner erscheinen mir schon aehnlich sinnvoll wie ein rollstuhl ohne raeder beim 100m sprint). natuerlich ziehen layer ads grosze aufmerksamkeit auf sich. schlieszlich kommt man nicht an ihnen vorbei.
aber klar ist einerseits auch, dass klickraten sicher nicht das richtige masz fuer werbewirkung sind.  eine studie von g+j hat bspw. gezeigt, dass es keine korrelation zwischen klickrate und (positive) imagewirkung gibt. tatsaechlich haben die erfolgreichsten kampagnen sogar niedrigere raten als die schlechtesten. wer werbewirkung nur in klicks misst, der bestellt sein bier an der bar auch in quadratmetern.andererseits bekommen layer ads aeuszerst geringe akzeptanzwerte (vgl. Report Online-Werbewirkung 07). logisch; sind sie doch die greinenden udn schreienden babies der werbung. zudemsind layer ads nicht nur klickintensiv, sondern werden vor allem dreimal so haeufig weggeklickt (experiment der tu braunschweig: zusammenfassung).

ich nenne diese form der werbung ab sofort bubbletising. einige performance-agenturen freuen sich ueber den traffic und die damit verbundene asche, aber letztendlich wird da etwas aufgeblasen, das nicht funktioniert.

der werbemarkt im www ist sicher kein einfach zu bestellender boden und mit alten hacken sicherlich nicht besser umzugraben.

schoener schlusz 🙂

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jag und treib den hund

der guardian analysiert heute die pressepolitik und -vorgaenge des, wohl vergangenen, russland-georgien konflikts. danke fuer den hinweis. berechtigt ist die frage, ob der artikel selbst nicht teil der guardian pr ist und versucht, versaeumnisse in puncto qualitaetsjournalismus und pr-unabhaengiger berichterstattung zurecht zu zimmern. trotzdem eine spannende analyse. und ein thema, das mich wieder an den grandiosen film wag the dog erinnert.

schon die ueberschrift bestaetigt mich in meinen leisen vermutungen: georgien hat, wohl nicht zuletzt mangels alternativen, seine aktivitaeten vornehmlich auf eine front konzentriert und das sehr effektiv; deswegen guardians peter wilby: „georgia has won the pr war“.

georgien hat in dieser hinsicht eine grandiose leistung vollbracht. grandios meine ich hier rein technisch und nicht bewertend… was insbesondere in zeiten des krieges zu einer endlosen debatte fuehren wuerde.
dennoch: von der dramaturgischen meisterleisung dramatischen stellungnahme zu beginn ueber stuendliche pressemitteilung bis hin zur kathartischen flucht aus dem bombenhagel wirkte all dies doch oft sehr inszeniert.

und all dies funktionierte ganz offenbar sehr gut, die internationale „gemeinschaft“ ist sich in ihrer meinung einig, russland ist aggressor und georgien gefaellt sich in seiner davids-rolle – wenngleich auch ohne schleuder und entsprechend erfolglos. so wie die hilfe der natofreunde eben zahnlos gewesen ist und bleiben wird.

spannend: Saakashvili (jubel ob dieser namen und der schreibweisenkonfusion) ist inhaber der pr-agentur aspect consulting, die hochkaraeter wie exxon (die hilfe brauchen, haha) oder kellog’s beraten.

cheers

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